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FFT: PLACE INTERNATIONALE

Änderungen beim Spielzeitstart: Das geplante Eröffnungsprojekt „Place Internationale“ muss in veränderter Form stattfinden. Bauverzögerungen auf der zukünftigen Fläche des FFT verhindern geplante Eröffnung der kommenden Spielzeit im KAP1.

2021 jährt sich der Aufstand der Pariser Commune zum 150. Mal. Dieses geschichtliche Ereignis wurde vom FFT Düsseldorf zum Anlass genommen, um den lang erwarteten Einzug ins KAP1 mit dem Eröffnungsprojekt Place Internationale zu verbinden. Ursprünglich plante das FFT, seine neue Spielzeit im September 2021 bereits am Standort KAP1 starten zu können. Der neue Theaterraum hätte für die Dauer der historischen Commune, nämlich 73 Tage, zum Ort der Suche nach Verbindungen zwischen dieser Revolution und heutigen urbanen Protestbewegungen werden sollen. Mehrere internationale Performancegruppen, bildende Künstler*innen, Autor*innen, Architekt*innen und Theoretiker*innen, ein Kurator*innen-Team und die Mitarbeiter*innen des FFT bereiten sich seit rund einem Jahr auf dieses Gemeinschafts-Projekt vor.

Dieses Vorhaben kann nun infolge einer Bauverzögerung auf der zukünftigen Fläche des FFT leider nicht in der ursprünglich geplanten Form stattfinden.  Das FFT Düsseldorf wird seine Spielzeit 21/22 daher nicht wie geplant im KAP1 eröffnen.

Stattdessen beginnt das FFT die kommende Saison am 3.9.2021 am Ort der Planwerkstatt 378 in Flingern-Süd, wo ein urbanes Umfeld im Umbruch Raum für Erkundungen und Kooperationen bietet. Auch das Düsseldorfer Schauspielhaus und das zakk stellen dem Projekt Räume zur Verfügung. Place Internationale wird nun aus zwei zeitlich versetzten je vierwöchigen Veranstaltungsblöcken und weiteren Stationen bestehen, und so die kommende Spielzeit rahmen. Nach dem Auftakt im September wird der abschließende Teil im Mai 2022 im KAP1 stattfinden. Am zentralen Eröffnungsakt des KAP1 am 6./7. November 2021 wird das FFT gemeinsam mit allen Mieter*innen ebenfalls teilnehmen.

Weitere Infos HIER

Auch wenn Place Internationale zeitlich und örtlich neu gerahmt wird, so bleibt die internationale Ausrichtung bestehen. Dazu werden projektbezogene Kooperationen mit Partnern im europäischen Ausland beitragen. So werden die Arbeit der Performancegruppe Gintersdorfer/Klaßen und weitere Beiträge in Kooperation mit dem Théâtre La Commune – Centre Dramatique National in Aubervilliers/Paris im Oktober 2021 vorgestellt. Außerdem wird Place Internationale mit einem Beitrag im Rahmen des Wiener „urbanize” Festivals vom 6.10.-10.10.21 fortgeführt. 
„Die Entscheidung, das Projekt zu verlegen beziehungsweise zu verschieben, ist uns sehr schwergefallen. Alle Beteiligten haben sich seit über einem Jahr diese Zeit freigehalten, um mit uns ein ungewöhnliches, 73-tägiges Experiment einzugehen, mit dem wir die Einweihung des neuen Theaters als öffentlicher Arbeits- und Aneignungsprozess thematisieren und feiern wollten. Nur dank des außergewöhnlichen Engagements der Mitwirkenden und der Unterstützung befreundeter Einrichtungen konnten wir in kürzester Zeit unser Vorhaben reorganisieren“, so Kathrin Tiedemann, die künstlerische Leiterin des FFT.

Weiterführende Informationen zum Programm und dem aktualisierten Ablauf von Place Internationale werden nach der Sommerpause auf der Website des FFT bekannt gegeben.
Place Internationale
 ist ein Projekt des FFT gemeinsam mit Jochen Becker, Klaus Ronneberger und Jan Lemitz in Kooperation mit Planwerkstatt Düsseldorf e.V. und der Peter Behrens School of Arts an der Hochschule Düsseldorf 
Place Internationale
 wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. 

2021 jährt sich die Pariser Commune zum 150. Mal. Das FFT Düsseldorf sucht nach Verbindungen zwischen dieser historischen Revolution und heutigen Protestbewegungen und wird im Herbst mit dem großangelegten Projekt Place Internationale Die 73 Tage der Commune oder der lange Wellenschlag der Revolution sein Theater im neu entstehenden Kulturzentrum KAP1 am Düsseldorfer Hauptbahnhof eröffnen.

Von und mit Jochen Becker, Claudia Bosse/theatercombinat, dérive, Ted Gaier, Gintersdorfer/Klaßen, Arno Gisinger, Bouchra Khalili, Jan Lemitz, Aernout Mik, Guillaume Paoli, Susanne Priebs, Gerald Raunig, Klaus Ronneberger, Kristin Ross, Christoph Schmidt/ifau, Schwabinggrad Ballett & Arrivati, Adania Shibli, Urban Subjects und viele weitere

ÜBER DAS KÜNSTLERISCHE STADTLABOR: PLACE INTERNATIONALE
Die 73 Tage der Commune oder der lange Wellenschlag der Revolution.

Das FFT eröffnet seine neue Spielstätte mit einem künstlerischen Stadtlabor.

Anlässlich seines Umzugs stellt das FFT die gewohnten Routinen des Theaterbetriebs in Frage. Inspiriert von einer urbanen Revolution, die sich vor rund 150 Jahren in Paris zugetragen hat, verwandelt sich das Theater in ein Stadtlabor und einen Ort der Versammlung für die Stadtbewohnerinnen; ein Ort, der denjenigen zur Verfügung stehen soll, die selbstbestimmt Regeln und Formen künstlerischer und sozialer Interaktion mit Mitteln der Performance, der räumlichen Intervention und des Diskurses erforschen und erproben wollen. Im Ausgang des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 verwandelte der Aufstand eines großen Teils der Bevölkerung gegen die rechtskonservative Regierung Paris in eine befreite Stadt. Die Stadt wurde in neuer Weise als sozialer und öffentlicher Raum begriffen und die Pariser Commune schuf eine auf Selbstbestimmung basierende politische Kultur, die auch für heutige Fragen nach der Zukunft von Arbeit, Bildung und Kunst von Bedeutung ist.

Der Raumtheoretiker Henri Lefebvre, der sich auf marxistischer Grundlage um die utopischen Potentiale des urbanen Raums bemühte, begriff die Commune als bislang einzigen Versuch eines revolutionären Urbanismus, der eine Kritik des Alltagslebens mit dem Kampf für ein Recht auf Stadt verbindet. Er beschrieb sie als „die größte Fete des Jahrhunderts und der neueren Zeit“, in der sich der Wille ausdrückte, das eigene Leben und die eigene Geschichte selbst zu gestalten, und zwar „nicht nur in Bezug auf politische Entscheidungen, sondern auch auf der Ebene der Alltäglichkeit.“ Zwischen Fest, politischer Aktion und alltäglicher Lebenspraxis changieren auch die Ereignisse vom 16. Mai 1871: Unter maßgeblicher Beteiligung des Malers Gustave Courbet, der heute als ‚Vater des Realismus‘ in den Lexika steht, ließ der Rat der Commune die Säule auf der Place Vendôme stürzen und nannte den Platz fortan Place Internationale. Aus einem Monument der napoleonischen Eroberungsfeldzüge, errichtet zum Ruhm der Sieger, gegossen aus den erbeuteten Geschützen der unterlegenen Feinde, wurde ein Ort, der für Völkerverständigung und gegen Militarismus stand. Nach der Rückeroberung von Paris durch die Regierungstruppen und der blutigen Niederschlagung der Commune wurde der alte Zustand umgehend wieder her- und die Säule wieder aufgestellt.

Die Place Internationale war Geschichte, bevor ihre Geschichte überhaupt richtig angefangen hatte. Von heute aus betrachtet stehen der Säulensturz und die Ausrufung der Place Internationale nicht nur für eine gescheiterte Hoffnung. Jenseits hohler Ideale wie Nation und Volk deutet dieser Vorgang auf neue und andere Formen der Bewegung und des Zusammenlebens hin, die ein Ausgangspunkt für zeitgenössische künstlerische, theore-tische und kuratorische Ansätze sein können. Das FFT nimmt den Namen Place Internationale für sein Eröffnungsprojekt auf und lädt Künstlerinnen, Theoretikerinnen und Gruppen ein, die Räume und die Umgebung im Stadtraum und Bahnhofviertiel zu erkunden und zu bespielen. Ihre verschiedenen Aktivitäten verknüpfen sich zu einem Programm, das künstlerische und politische Arbeit mit einer täglichen Lebenspraxis verbindet und im besten Fall zu einem Fest werden kann – so zumindest der Wunsch. In Performances, Workshops, Interventionen, Ausstellungen, Experimenten, Exkursionen und Diskussionen werden Formen der Begegnung und der Kooperation über bestehende Arbeitszusammenhänge hinaus provoziert und ausprobiert. Dies betrifft nicht nur die Künstlerinnen als Produzentinnen, auch das Publikum wird nicht auf die Funktion von Zuschauerinnen reduziert, sondern zur aktiven Beteiligung eingeladen und aufgefordert.

Während der Zeit von Place Internationale wird das FFT jeden Tag geöffnet und die Teilnahme an allen Veranstaltungen kostenlos sein.

Quelle: fft-duesseldorf.de/

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