09.10.2021 bis 09.01.2022

MarcelOdenbach_Arbeit
Marcel Odenbach. So oder so.

Marcel Odenbach (*1953) arbeitet seit 1976 mit Video. Seine filmischen Collagen haben als Einkanalbänder und Videoinstallationen dazu beigetragen, dass Videokunst heute zentrales Medium der internationalen Gegenwartskunst ist. Parallel zur künstlerischen Arbeit mit dem Medium Video hat Odenbach ein umfangreiches Konvolut an Papierarbeiten geschaffen, das Konzeptpläne zu Performances, Zeichnungen und großformatige Collagen umfasst. Mit der Überblicksausstellung stellt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen ein vielschichtiges Werk vor, das von Beginn an Kunst und Kultur unter einer gesellschaftspolitischen Perspektive betrachtet.

Sowohl Odenbachs Videos als auch die Papierarbeiten sind von einem starken Bewusstsein für die deutsche Geschichte und globale Fragen getragen. Zentrale Themen sind die Verdrängung und Aufarbeitung der NS-Verbrechen, das Wirken und Nachwirken des europäischen Kolonialismus in Afrika, der Terror der RAF und wiedererstarkender Antisemitismus, Rassismus und staatliche Repression sowie immer wieder das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft. Die Arbeiten beruhen auf den Prinzipien von Collage und Montage und fordern mit ihrem Neben- und Übereinanderschichten von Bildern die alltäglichen Sehgewohnheiten heraus.

Die Ausstellung gibt mit einer Auswahl von etwa 60 Arbeiten einen repräsentativen Überblick über das Werk von Marcel Odenbach, das auf 45 Jahre Zeitgenossenschaft zurückblickt. Mit der ihm eigenen Balance aus subjektiver Perspektive, objektivierbarem Interesse an historisch-dokumentarischem Material und einer Faszination für die subtile Wirkung von Bildern gehört Odenbach zu den international stark beachteten Künstlern seiner Generation.

BIOGRAFIE

1953 in Köln geboren, studiert Marcel Odenbach von 1974 bis 1979 Architektur, Kunstgeschichte und Semiotik an der RWTH Aachen. Zusammen mit Ulrike Rosenbach und Klaus vom Bruch gründet er Mitte der 1970er-Jahre in Köln die Produzentengruppe ATV (Alternative Television). Ab 1976 arbeitet Odenbach mit Video in Performances, Installationen und Tapes. Im Verlauf der 1980er-Jahre erfährt er als Videokünstler zunehmende Beachtung und nimmt unter anderem an Ausstellungen in Amsterdam, Boston und Paris sowie an der Documenta 8 in Kassel teil. Zu der künstlerischen Arbeit mit dem Medium Video kommen zunehmend großformatige, in einer einzigartigen von Odenbach entwickelten Technik gefertigte Collagen aus Papier hinzu.

1992 erhält Odenbach eine Professur an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung am ZKM in Karlsruhe. 2001 wird er Professor und Prorektor an der Kunsthochschule für Medien Köln. 2010–2021 ist er an der Düsseldorfer Kunstakademie als Professor für Film und Video sowie zeitweise als Dekan tätig. Odenbach ist seit 2016 Mitglied der Akademie der Künste, Berlin, und wurde 2021 mit dem Wolfgang-Hahn-Preis des Museum Ludwig Köln ausgezeichnet.

Odenbach arbeitet in Köln und lebt in Berlin und Biriwa, Ghana.

MarcelOdenbach_Collage

MONTAGE & COLLAGE

Seit seinen künstlerischen Anfängen arbeitet Odenbach mit dem Auswählen, Kopieren, Schneiden, Sortieren, Aneinanderfügen und Rekontextualisieren von Bildmaterial. Die in der historischen Avantgarde im frühen 20. Jahrhundert in einem emanzipativen Sinn entwickelte künstlerische Praxis der Montage und Collage prägt sowohl seine Videos als auch die Papierarbeiten. Zahlreiche Einkanalvideos und Mehrkanal-Videoinstallationen bestehen aus Zusammenschnitten eigenen Filmmaterials mit Archivaufnahmen sowie Dokumentar- und Spielfilmen. Das Aneinanderreihen und Überblenden verschiedener Orte, Motive und Zeiten führt zur Auflösung linearer Erzählweisen und stellt die Kausalität einer vermeintlich objektiven Geschichtsschreibung infrage. In Odenbachs zunehmend großformatigen Papiercollagen sind die Motive wie ein Mosaik aus vielen kleinen, fotokopierten, eingefärbten und ausgeschnittenen Bildfragmenten zusammenge- setzt. Die einzelnen Teile werden so arrangiert, dass sie aus der Ferne ein Metabild ergeben, das erst bei näherem Blick seine Einzelteile offenbart. Diese stecken oft voller Kommentare, Überraschungen und Widersprüche. Die Collagen fordern die Betrachtenden dazu auf, das große Ganze eines Bildes mit jedem Schritt neu zu hinterfragen und zu bewerten.

MarcelOdenbach-Achwiegut

VIDEOS 1977 – 1989

1977 entschied sich der damals 24-jährige Odenbach programmatisch für das noch relativ neue Medium Video und begründete seine Wahl unter anderem damit, dass Video eher als traditionelle Kunstformen dazu in der Lage sei, gesellschaftlichen Fortschritt aufzuzeigen, politische Veränderungen zu bewirken und ein größeres Publikum anzusprechen. Mit der engen Orientierung an Funktion und Ästhetik des Fernsehens entwickelte Odenbach in seinen frühen Einkanalvideos einen zugleich politischen und poetischen Habitus, der ihn schnell zu einem der erfolgreichsten deutschen Videokünstler machte. Produziert wurden die frühen Videocollagen im Kölner Studio der Galeristin Ingrid Oppenheim, die der jungen Kölner Videoszene einen Schnittplatz für das einfache Verfahren der Parallelmontage zur Verfügung stellte. Ab Mitte der 1980er-Jahre hat Odenbach in seinen vielfach auf Einladung internationaler Fernsehsender realisierten Videos mit aufwändigerem Filmequipment wie Dolly oder Steadycam experimentiert. „Stehen ist Nichtumfallen“ beendet im Jahr 1989 das umfangreiche Konvolut der Einkanalvideos, das erst viel später unter Verwendung digitaler Kameratechnik mit wenigen Exemplaren wie „Es war an einem Donnerstag“ erweitert wird.

TERMINE

Eröffnungstag
Samstag, 9.10.2021 von 11 – 20 Uhr K21
Eintritt frei

Art Guides
11 – 16 Uhr, 18 – 20 Uhr

Workshops für Kinder
Workshop: Schau genau! (ab 5 Jahren)
11.30 – 13 Uhr
Aus unterschiedlichen Bildvorlagen mit Motiven aus der Natur entstehen vielfältige Colla- gen. Doch der Schein trügt, denn bei näherer Betrachtung verbergen sich in den Land- schaften Gesichter, Tiere oder Gegenstände, die erst auf den zweiten Blick zu erkennen sind.
Teilnahme kostenfrei, Anmeldung erforderlich

Workshop: Mapping the box (ab 7 Jahren)
15.30 – 17 Uhr
In diesen Workshop wird dreidimensional collagiert. In einer Box werden Zeitungsaus- schnitte und Foliendrucke nebeneinander und hintereinander angeordnet, so dass jeder seine persönliche Bildergalerie erschafft.
Teilnahme kostenfrei, Anmeldung erforderlich

Kuratorinnenführung
16 Uhr
Dr. Doris Krystof, Kuratorin der Ausstellung
Anmeldung erforderlich

Ausstellungsgespräch für Studierende, Auszubildende und Schüler*innen (ab Sek. II)
17 Uhr
Cécile Huber, Kuratorische Assistenz
Anmeldung erforderlich

Plattenrelease: Doppelvinylalbum mit Kompositionen von Richard Ojijo anlässlich der zwanzigjährigen Zusammenarbeit mit Marcel Odenbach 
18 Uhr
Eintritt frei im Rahmen des Eröffnungstages

Begleitprogramm zur Ausstellung
Art Guides
Samstags, sonn- und feiertags: 14 – 16 Uhr Jeden ersten Mittwoch im Monat: 16 – 20 Uhr

Kuratorinnenführungen
Sonntag, 10.10., 12.12., 9.1., 12 – 13 Uhr Dienstag, 26.10., 9.11., 16.30 – 17.30 Uhr Anmeldung erforderlich

Veranstaltungen
Doris Krystof im Gespräch mit Marcel Odenbach Mittwoch, 3.11., 20 Uhr,
Eintritt frei im Rahmen des KPMG-Kunstabends, begrenzte Teilnehmer*innenzahl

„In stillen Teichen lauern Krokodile“
Symposium zu Geschichte und Gegenwart im Werk von Marcel Odenbach. Samstag, 4.12., 14 – 18 Uhr
Salon 21
Eintritt frei, begrenzte Teilnehmer*innenzahl

Film und Musik: Hans Nieswandt und Marcel Odenbach
Sonntag, 12.12., 16 Uhr
Salon 21
Eintritt frei, begrenzte Teilnehmer*innenzahl

„Ach, wie gut, daß niemand weiß “ Linklaters-Thementag für die ganze Familie
Sonntag, 7.11., 11 – 18 Uhr
Eintritt frei, Anmeldung erforderlich
Einen ganzen Sonntag lang kostenfreie Workshops im K21.

Workshops für Jugendliche in den Ferien Soundtrack meines Lebens (10–12 Jahre)
Freitag, 15.10., 10.15 – 16.15 Uhr Anmeldung erforderlich
In diesem Workshop achten wir auf die Musik und den Sound in der Ausstellung von Marcel Odenbach. Mit diesen Infos seid ihr bereit für verschiedenste Sound- Bild-Experimente in der Medienwerkstatt. Daraus entstehen am Ende eure eigenen Soundtracks zu den Bildern der Ausstellung.
Entgelt: 12 Euro plus 4 Euro Materialkosten

Film ab! (10–12 Jahre)
Dienstag bis Donnerstag, 4.1. – 6.1., 14 – 17 Uhr
Anmeldung erforderlich
Krimi, Drama, Animations-, Kurz- oder Dokumentarfilm: Es gibt viele verschiedene sogenannte Filmgenres. Der Künstler Marcel Odenbach nutzt den Film, um damit Rauminstallationen zu erschaffen, in die man regelrecht eintauchen kann. Im Work- shop werden wir uns mit den Eigenarten der filmischen Formen vertraut machen und selbst nicht nur filmen, sondern die Filme auch schneiden und vertonen. Entgelt: 24 Euro plus 6 Euro Materialkosten

K21 Ständehaus Ständehausstr. 1 40217 Düsseldorf
© 2021 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Bildnachweis Photo credits
Tropenkoller, 2017, Zweikanal-Video- installation, Farbe, Ton, 17’ 42” (Still), Galerie Gisela Capitain, Köln Cologne; 30: Atelier Marcel Odenbach, Fotograf*in unbekannt unknown photographer
Alle Abbildungen All images © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

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