desto weiß ich doom zu sein: Junge Kunst aus Münster im KIT

Kategorien

Datum

Fr. 05. November 2021

Kosten

4,00 / erm. 3,00
KiT – Kunst im Tunnel – 28.8.21 bis 14.11.21

Mit Sujin Bae, Ilsuk Lee, Valentino Magnolo, Irina Martyshkova und Yoana Tuzharova


Nachdem die Kunststiftung DZ Bank erstmalig im Jahr 2019 eine Ausstellung im KIT – Kunst im Tunnel förderte, präsentiert desto weiß ich doom zu sein in diesem Jahr Arbeiten von fünf Künstler*innen aus dem Umfeld der Kunstakademie Münster. Ein Schwerpunkt der Kunststiftung liegt auf fotografischen Ausdrucksformen seit 1945, die in ausgesprochener Bandbreite die Fotografie als zutiefst künstlerisches und vielfältiges Medium ausschreiben. Eine ebenso unbefangene Auffassung des Fotografischen lag auch der Konzeption dieser Ausstellung zugrunde.


desto weiß ich doom zu sein – vielleicht stolpert die Zunge zunächst über diesen Satz, mit dem die Ausstellung übertitelt ist. Das Wort „doom“, Englisch für Untergang oder Nullstelle und Reim auf „zoom“, reflektiert das beklemmende Gefühl, das sich in einer sich im Taumel befindenden Welt verstärkt aufdrängt. Gleichzeitig verhaken sich die grammatikalische Falschheit und besondere Melodie dieses Quasi-Satzes rasch in unserem Denken, genauso wie die spielerische Herangehensweise an eine Ausstellung, die
für alle fünf Künstler*innen inmitten von Lockdowns und Akademie-Schließungen eine Herausforderung war. Entstanden ist er in den ersten Wochen der Ausstellungsvorbereitung im ersten gemeinsamen Zoom-Chat der Künstler*innen. Ilsuk Lee schrieb: „Je mehr ich die Naturwissenschaft weiß, desto weiß ich doom zu sein.“ Je bewusster wir uns mit der Welt und unserer Umgebung auseinandersetzen, desto mehr Fragen stellen sich uns.
Diese Erkenntnis löst eine Art Schwindel aus, die uns auch beim Begehen der Ausstellung begegnen mag. Die Künstler*innen zeigen Positionen, die festgelegte Erwartungen an die Fotografie konfrontieren, aufmischen und neu zusammensetzen. Während sie sich über Sparten wie Malerei, Skulptur und Druckgrafik hinwegsetzen, experimentieren sie mit der Fotografie, ihren Äußerungen und immer neu entstehenden Möglichkeiten.

Sujin Bae (*1984) arbeitet mit Performance, Film und Rauminstallationen. Im KIT zeigt sie Szenen aus ihrer Videoarbeit „Widow“ (2019), die sie als Fotografien in Leuchtkästen inszeniert. Außerdem präsentiert sie eine Reihe an Analogfotografien, die meist als Schnappschüsse entstehen und anschließend sorgfältig von der Künstlerin gescannt, geschichtet und transformiert werden. Jede einzelne ist eine innige Hommage an die Feinheiten des fotografischen Prozesses.

Ilsuk Lee (*1986) beschäftigen die großen Fragen nach dem Ursprung, der Struktur und der Entwicklung der Welt. Experimentell geht er philosophischen und naturwissenschaftlichen Theorien in beweglichen Lichtskulpturen auf den Grund, die in seinen Fotografien zu einer konzentrierten Formensprache im Spannungsfeld zwischen Licht und Dunkel und Absolutheit und Relativität finden.

Valentino Magnolo (*1990) vermischt mittels Siebdrucken, Laserscans und anderen Methoden digitale und analoge Arbeitsprozesse. Werke wie die eigens für die Ausstellung produzierte „aresfrodita“, die die Götter Ares und Aphrodite zu einem Zwischenwesen verschmelzen lässt, spielen mit Gegensätzen wie empfindlicher Nacktheit und überhöhter Männlichkeit. Hier verknüpft Magnolo Cyber-Ästhetik mit antiken Mythen.

Irina Martyshkovas (*1987) Fotografien zeigen das achtlos Weggeworfene und grazil Lädierte des Alltags und entlocken ihm eine zarte Poesie. Von kunsthistorischen Bezügen zu Meistern wie Caravaggio geprägt, geht es Martyshkova vor allem um eine bewusste Betrachtung der Welt im Kleinen und Großen und um die Psychologie der Wahrnehmung. Im KIT zeigt sie aktuelle Arbeiten, die während eines Residenzaufenthalts in Paris entstanden sind.

Yoana Tuzharova (*1986) geht den Swipe-Abdrücken und Fettschlieren des zunehmend digitalen Lebens auf die Spur. Diese zugleich malerischen und automatisierten Gesten bildet sie auf Stoffbahnen ab oder verwandelt sie in Ornamente, welche die doppeldeutige Architektur der raumspezifischen Arbeit „data monument“ zieren. Im Erleben dieser Werke entfaltet sich das erstaunliche Ausmaß der fließenden Übergänge zwischen virtuellem und körperlichem Dasein.

Sujin Bae, Ilsuk Lee, Valentino Magnolo, Irina Martyshkova und Yoana Tuzharova sind als Absolvent*innen und Student*innen der Kunstakademie Münster geprägt von ihrem unmittelbaren Umfeld an der Akademie, dem privaten und familiären Bereich, dem Austausch mit anderen Künstler*innen sowie den Erfahrungen, die sie in der modernen,
von Bildern gefluteten Welt durchleben. Ins KIT bringen sie eine Kombination von älteren und eigens für die Ausstellung geschaffenen Arbeiten mit, die in ihrem breiten Spektrum auch die Vielfalt der zeitgenössischen Auseinandersetzung mit dem Medium der Fotografie widerspiegeln: Digitale, akkurat durchkomponierte Arbeiten stehen der zauberbehafteten Körnigkeit der Analogfotografie gegenüber, feine Seidenstoffe kontrastieren mit der harten Kühle von ornamentbedruckten Fliesen. Die Künstler*innen
lassen sich von ihren Medien nicht begrenzen, sondern wählen diese vielmehr frei ausgehend von ihrer Materie aus. Sie setzen sich mit dem eigenen Körper und dessen Spuren im analogen und digitalen Umfeld auseinander, erforschen und experimentieren mit philosophischen und naturwissenschaftlichen Konstrukten, die die uns bekannte Welt bestimmen, und führen uns vor Augen, dass alltägliche Beobachtungen in ihrer Feinheit und Stille eine gewaltige Poesie entfalten können, wenn wir diese zulassen.


Die Ausstellung wurde kuratiert von Gertrud Peters und initiiert und gefördert durch die Kunststiftung DZ Bank.


Pressekontakt:
KIT – Kunst im Tunnel c/o Kunsthalle Düsseldorf
Dirk Schewe, Grabbeplatz 4, 40213 Düsseldorf
Fon: +49 (0)211 89 96 256, E-Mail: presse@kunst-im-tunnel.de

Foto Credit: Veranstalter


KIT - Kunst im Tunnel

Location

KIT - Kunst im Tunnel
Mannesmannufer 1b, 40213 Düsseldorf
Website
http://kit@kunsthalle-duesseldorf.de
KIT - Kunst im Tunnel

Veranstalter

KIT - Kunst im Tunnel
Scroll to Top