Luxus & Lifestyle. Weimar und die weite Welt

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Datum

Sa. 22. Januar 2022

Zeit

Mo. zu / Sa. ab 13 Uhr
11:00 - 17:00

Kosten

4,00 / Ermäßigt: 2,00 / ab 16: freier Eintritt / Freier Eintritt an Sonntagen

Wenn sie sich auch stets wandelt und dauerhaft nur im Wechsel ist, so bleibt sie doch, was sie war: „die einzige und unüberwindliche Universalmonarchie auf Erden“. Gemeint ist die Mode. Schon vor mehr als zwei Jahrhunderten reklamierte eine Zeitschrift selbstbewusst für sich, die Annalen dieses einzigartigen Königreichs zu schreiben. Welche könnte das gewesen sein? Die „Vogue“? – Nein. Obwohl dieses Magazin in der Presse auch als „Modebibel“ bezeichnet wird und ihre globale Chefredakteurin als deren einzige Königin, hat die mit knapp 130 Jahren noch relativ junge Zeitschrift die Geschichtsschreibung im Königreich der Mode nicht begründet.

Mehr als ein Jahrhundert älter als die „Vogue“ ist die erste deutsche Modezeitschrift, deren erstes Heft im Januar 1786 erschien – in dem Jahr, in dem in Deutschland die letzte Kleiderordnung erlassen wurde. Eben diese Kleiderordnungen waren es gewesen, mit denen die Stände über Jahrhunderte per Gesetz scharf und für alle sichtbar voneinander abgegrenzt wurden. Ein Verständnis von Mode im heutigen Sinne als freier Ausdruck der Individualität wurde erst in einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs möglich.

Das Magazin, das ab dem zweiten Jahrgang unter dem Titel „Journal des Luxus und der Moden“ Furore machte, war über Jahrzehnte hinweg das erfolgreichste journalistische Unternehmen Deutschlands. Dass es brandneu war, konnte man schon auf den ersten Blick erkennen. Die Hefte machten durch einen flammend orangefarbenen Umschlag auf sich aufmerksam, der von da an mit den Begriffen ,Luxus‘ und ,Mode‘ assoziiert wurde. Und das rund 150 Jahre bevor der französische Lederwarenhersteller Hermès ein solches Orange als Firmenfarbe erneut mit Luxusgütern in Verbindung brachte.

Das „Journal des Luxus und der Moden“ war mit seinen handkolorierten Druckgrafiken die erste Illustrierte Deutschlands. Es berichtete in der mediengeschichtlich wegweisenden Verbindung von Text und Bild nicht nur über die neuesten Damen- und Herrenmoden aus Paris, London und Wien, aus Italien sowie aus den deutschen Messestädten und Kurorten, sondern war auch Lifestyle-Magazin. Entsprechend dem Plural des Wortes ,Mode‘ (aus frz. mode: Art) im Zeitschriftentitel behandelte es nicht nur im engeren Sinne die zum Zeitpunkt des Erscheinens bevorzugte Art, sich zu kleiden, zu frisieren und zu schminken, sondern mit einem weiter gefassten Begriff auch andere Gegenstände oder Tätigkeiten, die gerade ,à la mode‘ waren. So informierte das Journal regelmäßig über Tischkultur, Einrichtungstrends und Gartenarchitektur, über Erfindungen für den Haushalt, über die neuesten Kutschen und Schlitten, über Literatur und Theater, glanzvolle politische Ereignisse, Reisen und ferne Länder sowie über Modespiele und Gesellschaftsklatsch.

In den gut vier Jahrzehnten seines Erscheinens von 1786 bis 1827 veröffentlichte das „Journal des Luxus und der Moden“ 12.000 Textbeiträge und 1.500 Abbildungen auf 40.000 Druckseiten. Und weil es trotz der wechselvollen Zeit zwischen Revolution und Restauration Bestand hatte und mit kritischem Blick die gesellschaftlichen Veränderungen in Europa registrierte, ist es heute auch eine bedeutende kulturhistorische Quelle.


Foto: Barbara Steingießer


Goethe Museum

Location

Goethe Museum
Jacobistraße 2, 40211 Düsseldorf
Website
https://www.goethe-museum.de/de
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Veranstalter

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