Musik-Kassette | Sølyst

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Datum

Di. 14. Dezember 2021

Zeit

20:00

Kosten

Kleine Hutspende erwünscht

WOHNZIMMERKONZERT IN DER KASSETTE


«Sss–p–riiiing!» – ein Besen kratzt langsam am Blech entlang, ein Glöckchen hallt nach.
«Sprrnnng!!» – eine zurückgelassene Eisen-Stele antwortet in rostender Klage von der nahen Industriebrache.
«Spriing!!!» – etwas bricht auf. Unter unseren Füßen dröhnt die U-Bahn. Oder ist es die verborgene dunkle U-Bahn unter der U-Bahn, gleich dem dunklen Strom unter dem Fluss, gleich dem dunklen zweiten Meer unter dem uns sichtbaren?


Spring ist Thomas Kleins vierte Veröffentlichung auf Bureau B als Sølyst. Er versammelt hier Material aus den letzten drei Jahren. Und diese Zeit, die er mit den Stücken verbracht hat, wie er sie wieder besucht hat, neu befragt hat, Dinge ausgeschlossen, verworfen, Anderes geöffnet, überarbeitet, Passagen vergrößert, andere entschlackt hat, diese Zeit ist den Stücken bestens bekommen.

Als Ausgangspunkte wählt er Sequenzer und Sequenz; knatternd, nicht zu schnell, in tieferen Tonlagen und in Moll. Drum herum faltet er programmierte Drumpatterns, Perkussions, viel Metall und manchmal plötzlich hereinstürzend ein schepperndes Schlagzeug wie in dem schimmernden Flex oder in Hold. Echo und Hallräume, Phaser und Flanger nimmt er als Klebstoff: Spring, die Spirale, die flexible, gehalten, die Feder, er dehnt sie, krümmt sie, biegt sie, macht sie dem Signalfluss gefügig. Über dashypnotische rhythmische Gerüst legt er Einzelklänge und stehende Flächen, Melodien entdeckt man auf der Nanoebene in den Übergängen der Schichten, in Andeutungen, als Anspielungen.

Klein nutzt all diese Elemente und baut mit ihnen eine cinematische Stimmung auf, Kino wie Serie, des eher schweren, unterschwellig Dunklen. Aber nicht in aggressiver Bedrohlichkeit, sondern in geisterhafter Anmutung, in einem unheimlichen Vorahnen – oder in dem wohligen Schauern, das einen befällt, wenn ein Gewitter sich am Horizont ankündigt, und man sich vorbereitet, sich freudig dem Spektakel aus Blitz und Donnerschlag hinzugeben.


«Spring!» – eine lilafarbene Knospe bricht auf. Wenn sie einen Frühling ankündigen sollte, dann den, der uns zurück teleportiert in eine Zeit vor dieser Zeit, oder nach vorne ins nächste Jahr, ins nächste Jahrzehnt hinein, so oder so zurück in unseren nachthellen feuchten Club. Wir haben Dich sehr vermisst.
Lichtscheu Tanzende, Teer an den Schuhen, Blitze, Schwarz-weiß ist unsere Farbe. Spring zeichnet die Nacht bis in den späten Morgen hinein, und ist genauso der Soundtrack eben dieser Nacht: nimm Sheroes, spiel’ es zwischen Martin Rev und Chris & Cosey, nimm Atlas spiel’ es nach – mit Verlaub – Tolouse Low Trax. Und bevor sich die Türen wieder öffnen, nimm Spiral. Am verführerischsten in allen Stücken sind die Momente, wo Klein die Funktionalität, den Groove, loslässt und den Raum weit öffnet in ein freies atmosphärisches Schweben. Hinein, bis in den späten Morgen.
Spring reiht sich ein in die Genealogie der drei Vorgängeralben – Sølyst (2011), Lead (2013), The Steam Age (2016) –, und nicht, dass an diesen etwas falsch wäre: aber Spring denkt Klein am weitesten, Spring zeigt ihn von seiner souveränsten Seite: er lotet die Grenzgebiete aus des Rahmens, den er sich mit Sølyst gesetzt hat. Und jedes einzelne Stück auf Spring gibt einem das Gefühl, hier ist ein neuer Beginn, jetzt startet Sølyst.
Kein Halten! Spring! Spring mit!


Einlass mit 2G, PCR-Test oder Antigen-Schnelltest nicht älter als sechs Stunden.


Foto: PetraBosch

 

 


Kassette

Location

Kassette
Flügelstr. 58 40227 Düsseldorf
Website
https://www.die-kassette.de/index.php
Kassette Kaimilina da Silva Tob Est Or GbR

Veranstalter

Kassette Kaimilina da Silva Tob Est Or GbR
Website
https://www.die-kassette.de/index.php
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