Das Polnische Institut in Düsseldorf präsentiert die erste Einzelausstellung von Mikołaj Sobczak in Düsseldorf. Die Ausstellung versammelt zentrale Werke aus unterschiedlichen Schaffensphasen und eröffnet einen konzentrierten Einblick in seine Praxis, die von der Malerei ausgeht und sich in Video- und Performancearbeiten erweitert und häufig in kollektiven Konstellationen entwickelt.
Sobczak thematisiert häufig die Verfolgung und den Widerstand queerer Gemeinschaften sowie die Mechanismen der Exklusion, wozu er sich alternativer Geschichtsbilder bedient. Die Aktivistin Suzette Robichon beschreibt im Kontext ihrer Forschungen zu Frauen in Konzentrationslagern das Schicksal von Eva Kotchever. Die 1891 in einer polnisch-jüdischen Familie geborene Chawa Złoczower emigrierte in die USA, wo sie sich in der anarchistischen Bewegung engagierte, die Teestube Eve’s Hangout – einen beliebten Treffpunkt für Frauen – gründete sowie lesbische Literatur herausgab, wofür sie nach Europa deportiert wurde. Sie starb im KL Auschwitz. Die Arbeit „Eva Kotchever” (2024) ist eine Konstellation von Bildern, die vom Leben einer Person erzählen, deren verwickelte Biografie symbolisch für viele andere steht. Auf der Rückseite befindet sich die Darstellung einer Radierung von Jan Lucas van der Beek aus dem 16. Jahrhundert mit dem Titel „Wiedertäufer ziehen nackt über den Dam in Amsterdam und werden gefasst“.
Dann ist da der deutsche Maler und Tagebuchschreiber Hans Heinrich von Portatius, dessen Familie aus Schlesien stammte. Als wichtige Inspiration für Sobczak ist er in dieser Ausstellung mit eigenen Werken vertreten. Der heute weitgehend vergessene Portatius schrieb 1936 ein Tagebuch, dass er in einem grauen Umschlag verwahrte, auf dem vermerkt war, dass er erst nach 100 Jahren geöffnet werden solle. Dieses Tagebuch ist ein einzigartiges Zeugnis queerer Existenz im Schatten des aufkommenden Faschismus und zugleich ein Dokument der Einsamkeit, der Spiritualität, des Begehrens und des Bedürfnisses, eine Spur für die Nachgeborenen zu hinterlassen. Nach dem Krieg war Portatius Mitbegründer des Travestielokals Die Spinne, einem zentralen Ort für die sich im Nachkriegsdeutschland wieder formierende queere Gemeinschaft. Der Club schloss zum Beginn der COVID-19-Pandemie.
Sobczak führt nicht nur diverse Medien zusammen, sondern verbindet auch die unterschiedlichsten Themen miteinander. In seiner Auseinandersetzung mit Religion und Glauben verknüpft er bekannte mit weniger bekannten Narrativen. Ein Zyklus von Arbeiten über Rudolf Steiner, den Begründer der Anthroposophie, reflektiert unter anderem deren Einfluss auf Schulen, Kliniken, Landwirtschaft und Finanzinstitute in Nordrhein-Westfalen, wo 1912 in Köln die erste Anthroposophische Gesellschaft der Region entstand.
Anhand von protestantischen und anthroposophischen Motiven zeichnet Sobczak eine lange, wenngleich nicht offensichtliche Kontinuitätslinie des heterodoxen Christentums von der Gemeinschaft der Wiedertäufer bis zur von Steiner inspirierten Esoterik, die er auch im großformatigen Gemälde „Mysterien“ (2026) visualisiert. Wie auch in anderen Arbeiten beobachtet Sobczak hier, wie Glaube, Vision und Macht beim Aufbau – oder bei der Zerstörung – der politischen Zukünfte Hand in Hand gehen.
Mikołaj Sobczak, Teilnehmer der Manifesta 16 Ruhr, hinterfragt die Konventionen der Historienmalerei, um alternative Szenarien zu entwerfen. In vielschichtigen, oft surrealen Tableaus inszeniert er unmögliche Begegnungen realer Protagonist*innen und verschiebt so etablierte Narrative. Dabei rückt er insbesondere queere und trans Perspektiven in den Mittelpunkt.
Mikołaj Sobczak, Teilnehmer der Manifesta 16 Ruhr, hinterfragt die Konventionen der Historienmalerei, um alternative Szenarien zu entwerfen. In vielschichtigen, oft surrealen Tableaus inszeniert er unmögliche Begegnungen realer Protagonist*innen und verschiebt so etablierte Narrative. Dabei rückt er insbesondere queere und trans Perspektiven in den Mittelpunkt.
von Polnisches Institut Düsseldorf Kunst & Ausstellungen Eintritt frei
Polnisches Institut Düsseldorf
Citadellstraße 7 40213
Düsseldorf,
Nordrhein-Westfalen,
21/Jul/2026 00:00 - 09/Okt/2026 00:00
| Polnisches Institut Düsseldorf |
| duesseldorf@instytutpolski.pl |
| +49211866960 |
| instytutpols... |
Mikołaj Sobczak, Teilnehmer der Manifesta 16 Ruhr, hinterfragt die Konventionen der Historienmalerei, um alternative Szenarien zu entwerfen. In vielschichtigen, oft surrealen Tableaus inszeniert er unmögliche Begegnungen realer Protagonist*innen und verschiebt so etablierte Narrative. Dabei rückt er insbesondere queere und trans Perspektiven in den Mittelpunkt.
von Polnisches Institut Düsseldorf Kunst & Ausstellungen Eintritt frei
Das Polnische Institut in Düsseldorf präsentiert die erste Einzelausstellung von Mikołaj Sobczak in Düsseldorf. Die Ausstellung versammelt zentrale Werke aus unterschiedlichen Schaffensphasen und eröffnet einen konzentrierten Einblick in seine Praxis, die von der Malerei ausgeht und sich in Video- und Performancearbeiten erweitert und häufig in kollektiven Konstellationen entwickelt.
Sobczak thematisiert häufig die Verfolgung und den Widerstand queerer Gemeinschaften sowie die Mechanismen der Exklusion, wozu er sich alternativer Geschichtsbilder bedient. Die Aktivistin Suzette Robichon beschreibt im Kontext ihrer Forschungen zu Frauen in Konzentrationslagern das Schicksal von Eva Kotchever. Die 1891 in einer polnisch-jüdischen Familie geborene Chawa Złoczower emigrierte in die USA, wo sie sich in der anarchistischen Bewegung engagierte, die Teestube Eve’s Hangout – einen beliebten Treffpunkt für Frauen – gründete sowie lesbische Literatur herausgab, wofür sie nach Europa deportiert wurde. Sie starb im KL Auschwitz. Die Arbeit „Eva Kotchever” (2024) ist eine Konstellation von Bildern, die vom Leben einer Person erzählen, deren verwickelte Biografie symbolisch für viele andere steht. Auf der Rückseite befindet sich die Darstellung einer Radierung von Jan Lucas van der Beek aus dem 16. Jahrhundert mit dem Titel „Wiedertäufer ziehen nackt über den Dam in Amsterdam und werden gefasst“.
Dann ist da der deutsche Maler und Tagebuchschreiber Hans Heinrich von Portatius, dessen Familie aus Schlesien stammte. Als wichtige Inspiration für Sobczak ist er in dieser Ausstellung mit eigenen Werken vertreten. Der heute weitgehend vergessene Portatius schrieb 1936 ein Tagebuch, dass er in einem grauen Umschlag verwahrte, auf dem vermerkt war, dass er erst nach 100 Jahren geöffnet werden solle. Dieses Tagebuch ist ein einzigartiges Zeugnis queerer Existenz im Schatten des aufkommenden Faschismus und zugleich ein Dokument der Einsamkeit, der Spiritualität, des Begehrens und des Bedürfnisses, eine Spur für die Nachgeborenen zu hinterlassen. Nach dem Krieg war Portatius Mitbegründer des Travestielokals Die Spinne, einem zentralen Ort für die sich im Nachkriegsdeutschland wieder formierende queere Gemeinschaft. Der Club schloss zum Beginn der COVID-19-Pandemie.
Sobczak führt nicht nur diverse Medien zusammen, sondern verbindet auch die unterschiedlichsten Themen miteinander. In seiner Auseinandersetzung mit Religion und Glauben verknüpft er bekannte mit weniger bekannten Narrativen. Ein Zyklus von Arbeiten über Rudolf Steiner, den Begründer der Anthroposophie, reflektiert unter anderem deren Einfluss auf Schulen, Kliniken, Landwirtschaft und Finanzinstitute in Nordrhein-Westfalen, wo 1912 in Köln die erste Anthroposophische Gesellschaft der Region entstand.
Anhand von protestantischen und anthroposophischen Motiven zeichnet Sobczak eine lange, wenngleich nicht offensichtliche Kontinuitätslinie des heterodoxen Christentums von der Gemeinschaft der Wiedertäufer bis zur von Steiner inspirierten Esoterik, die er auch im großformatigen Gemälde „Mysterien“ (2026) visualisiert. Wie auch in anderen Arbeiten beobachtet Sobczak hier, wie Glaube, Vision und Macht beim Aufbau – oder bei der Zerstörung – der politischen Zukünfte Hand in Hand gehen.
Mikołaj Sobczak, Teilnehmer der Manifesta 16 Ruhr, hinterfragt die Konventionen der Historienmalerei, um alternative Szenarien zu entwerfen. In vielschichtigen, oft surrealen Tableaus inszeniert er unmögliche Begegnungen realer Protagonist*innen und verschiebt so etablierte Narrative. Dabei rückt er insbesondere queere und trans Perspektiven in den Mittelpunkt.
Polnisches Institut Düsseldorf
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